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Schützen & Erhalten · Dezember 2017 · Seite 85 Die Ex-Press Berufsinformation des DSV e.V. | Wissenswertes ISDNde Deutschland geht einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung. So stellt die Telekom 2018 von den noch verfügbaren Analog- und ISDN-Anschlüssen auf All-IP um. Über diesen Technikwechsel werden bereits seit einer Weile Kunden der Te- lekom schriftlich informiert. Das kann sowohl den eigenen Haushalt wie auch Großunternehmen betreffen. Während die Umstellung für Privatkunden keine großen Veränderungen mit sich bringt, sollten sich Betriebe rechtzeitig über All-IP informieren, denn gerade für sie eröffnet die neue Technik viele Vorteile. Bereits in den 1980er Jahren schlug man in Deutschland mit der Einführung des ISDN- Standards den Weg in Richtung Digitalisie- rung ein. Im Vergleich zum älteren analogen Festnetzanschluss lagen die Stärken von ISDN klar auf der Hand. Beispielsweise waren mit der digitalen Technik zum ersten Mal mehre- re Kanäle gleichzeitig möglich, sodass man etwa mit zwei Basisanschlüssen zur selben Zeit telefonieren und faxen konnte. Zusätz- lich verbesserte sich die Sprachqualität beim Telefonieren erheblich. Mit einem ISDN-Mehr- geräteanschluss ließen sich sogar bis zu zehn Telefonnummern vergeben. Fast zwanzig Jahre später beschleunigte die Anschlussart DSL die Internetübertragungsrate um ein Vielfaches. Die maximale Übertragungs- geschwindigkeit fällt bei DSL 250fach schnel- ler aus als bei ISDN. Zugleich bedeuteten DSL Flatrates das Ende ärgerlicher Dealer. Diese lie- ßen unbemerkt illegale Einwahlprogramme über analoge und ISDN-Anschlüsse laufen, was den Endkunden teuer zu stehen kommen konnte. Saftige Rechnungen lagen dann am Monatsen- de im Briefkasten. DSL versprach hingegen volle Kostenkontrolle. Seit 1999 werden in Deutschland also ana- loge Anschlüsse, ISDN und DSL parallel angebo- ten. Für Telekommunikationsanbieter bedeutet das bisher, dass sie neben dem Telefonnetz noch ein weiteres Netz für die Datenübertragung und den Internetzugang betreiben müssen. Dadurch entsteht ein unnötiger personeller und finanzi- eller Aufwand. Auch der Energieverbrauch durch den Betrieb beider Netze ist sehr hoch. Darüber hinaus ist die verwendete Technik für das ana- loge sowie das ISDN-Netz derart alt, dass Pro- vider heute Probleme damit haben, Hardware zu beschaffen. Dies erschwert logischerweise die Wartung und den Support. Ersatzteile müs- sen zu höheren Preisen eingekauft werden, in- des verlängern sich deren Beschaffungszeiten. Die Gründe der Betreiber dafür, Analogan- schlüsse und ISDN abzuschalten, sind somit of- fensichtlich. Zum einen werden die Hardware- versorgung und die Netzinstandhaltung durch die Vereinheitlichung auf All-IP erleichtert. Aus umweltpolitischer Sicht kann der Energieaufwand zum anderen stark reduziert werden. Wie sieht nun die fortschrittliche Alternative aus? All-IP umfasst das Konzept des „Next Ge- neration Network“, welches Sprach- und Daten- kommunikation in einem einzigen Netzwerk ver- eint. Es beruht auf dem Internet-Protokoll (IP), das mittlerweile als Grundlage für alle wichtigen Standards für eine einheitliche Kommunikation dient. Zum Beispiel setzt das Protokoll „Session Initiation Protocol“ (SIP) auf dem Internet-Pro- tokoll auf. Es ist für den Verbindungsaufbau in der Telefonie verantwortlich. Die großen Hard- ware- und Softwarehersteller kennen all diese Standards schon lange, weswegen es ausgereifte Produkte auf dem Massenmarkt zu kaufen gibt. Neben den Netzbetreibern bringt den End- kunden die Umstellung auf All-IP eine Menge Vorteile. Der Anwender erhält in Zukunft einen universellen Anschluss für Daten-, Sprach- sowie Multimediaservices, da die Infrastruktur verein- facht werden kann. Dabei sinken für ihn die Ko- Im März stellt die Telekom ihren ISDN-Dienst ein. Foto: Michel, Neu-Ulm

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