S&E Glossary

2.4 Laborunter- suchungen Um nun die Frage der mögli- chen Beeinträchtig zu untersuchen, wurde ein handelsüblicher Kalk- Zement Fertigmörtel (MGII gemäß DIN 1053 und PII gemäß DIN 18550) verwendet. Beim Mischen wurde dem Mörtel Borsäure-haltiges Schwammsperr- mittel zugesetzt, so dass sich be- zogen auf die Masse Frischmörtel eine Borsäurekonzentration von 0,2, bzw. 0,4% ergab. [Herstellung: dem Anmachwasser (200g auf 1800g Trockenmörtel) wurden 10%, bzw. 20% des Schwammsperrmittel (= 20, bzw. 40g) zugesetzt. Das Schwamm- sperrmittel hat einen Borsäurege- halt von 20%. Damit ergibt sich ein Borsäuregehalt von 4g, bzw. 8g. 4g Borsäure bezogen auf 2000g Frisch- mörtel entspricht 0,2%]. Vorversuche hatten gezeigt, dass der hohe Glykolgehalt des verwendeten Schwammsperrmittels innerhalb der verwendeten Men- gen keinen Einfluß hat. Proben wurden im Baustoffla- bor der TU Wismar hergestellt und die Festigkeiten gemäß DIN EN 196-1 (5/1995) geprüft. Abwei- chend von der Norm erfolgte kei- ne Wasserlagerung der Proben, da sonst Bor schnell wieder ausgewa- schen worden wäre. Nach 2, 7, 28 und 90 Tagen wurden die Biegefestigkeit und Druckfestigkeit gemessen. Die Ergebnisse (Bild 1) zeigen, dass ein Zusatz von 0,2% noch keine gravierende Abnahme der Festigkei- ten, jedoch bereits eine erhöhte Streuung der Einzelwerte bewirkt. Ein 0,4%-iger Zusatz vermindert bereits drastisch die Festigkeit des Mörtels (Haroske, Peylo 2006). Bei Zusatz von 1% Borsalz läßt sich die Probe von Hand zerdrük- ken. Bei 2% Zusatz härtete die Probe auch nach 4 Wochen nicht aus. 3. Wechselwirkungen mit Horizontalsperren Nachträgliche Horizontalsperren werden durch Injektagen, meist unter Druck, in Bohrlöcher hergestellt. Eine breite Palette, die von Paraffin über Epoxidharze bis hin zu veresterten Alkalisilikaten (Kieselsäureester, modifizierte Wassergläser) reicht, wird in der Praxis verwendet. AUS DER PRAXIS 3.1 Regelwerke Die Durchführung von Mauer- werksinjektionen ist in WTA Merk- blatt 4-4-04 (Mauerwerksinjektio- nen gegen kapillare Feuchtigkeit, ersetzt 4-4-94) beschrieben. Der oben schon angesproche- nen Beuth-Kommentar zur DIN 68800-4 fordert, dass die Feuch- teschutzmittel „...grundsätzlich nach den Schwammbekämpfungs- mitteln einzubringen“ sind. 3.4 Laborunter- suchungen Ein in der Praxis viel verwen- deter Kieselsäurester und zwei Pro- dukte auf Basis niedrig viskoser Epoxi-Harze wurden gewählt. In einfachen Vorversuchen wurden das Bor-haltige Schwamm- sperrmittel in das Feuchteschutz- mittel gegeben. Die Ergebnisse zeigt eindrucksvoll Bild 2. Inner- halb von Sekundenbruchteilen rea- giert das Borpräparat mit dem Al- kalisilikat zu einer galertigen Masse. Gleiche Reaktionen von Bor- salzen waren bereits aus einem früheren Forschungsvorhaben zur Reaktion von Borsalzen mit Was- sergläsern bekannt (Peylo 1997). Dort hatte sich gezeigt, dass sich auch mit einer Kesseldruck- tränkung kein Alkalisilikat mehr in behandeltes Holz einpressen ließ. Die Drücke für die Druckinjektion an Mauerwerk, bzw. die Kessel- drucktränkung von Holz liegen in der gleichen Größenordnung von 5–10bar. Es muß daher stark bezweifelt werden, ob durch die zu erwartende sofortige Vergelung des Bohrloch- randes bei einer Injektion von Al- kalisilikaten in zuvor mit Borprä- paraten behandeltes Mauerwerk das Injektionsmittel noch in nennens- werten Mengen in die Wand ge- langen kann. Mit den niedrig viskosen Har- zen erfolgte dagegen keine Reak- tion (Bild 3). Nach einigen Wochen war das Harz zu einer zähen Mas- se erstarrt. Dies entspricht der auch für reine Harze zu erwartenden Vernetzung unter Sauerstoffeinfluß. Schlußfolgerungen Borsalze können nur unter ge- nau kontrollierten Bedingungen bei einer maximalen Konzentration von 0,2% Bor/Masse Frischmörtel ein- Literatur – Bech-Andersen, J. 1992: The Dry Ror fun- gus and other fungi in houses. Interna- tional Research Group on Wood Preser- vation, Stockholm, Doc. IRG/WP 2389. ISBN 87-89560-8-6, 134 S. – Bech-Andersen, J., 1987: Practical expe- riments with Boracol used as a fungicide in the repair process after attack by the dry rot fungus – Czernin, 1977: Zementchemie für Bauin- genieure, Bauverlag Wiesbaden, 194 S. – Dirol, D., 1988: Borate diffusion in wood from rods and liquid product. Applicati- on to laminated beams. International Research Group on Wood Preservation, Stockholm, Doc IRG 3482. – Drysdale, J.A. 1994: Boron treatments for the preservation of wood – A review of efficacy data for funghi and termites. In- ternational Research Group on Wood Pre- servation, Stockholm, Doc IRG/WP 30037. – Haroske, G.; Peylo, A.: Einfluß der Schwammsperrmittelzugabe auf die Fes- tigkeitsentwicklung von Mörtel. Rostocker Berichte aus dem Institut für Bauinge- nieurwesen, Heft 16, S. 71-84, Universi- tät Rostock. – Peylo, A. 1997: Bewertung der Auswasch- gefährdung von nicht fixierenden wasser- löslichen Holzschutzmitteln auf Borbasis sowie mögliche Altrenativanwendungen zu chromathaltigen Holzschutzmitteln. Arbeits- bericht der Bundesforschungsanstalt f. Forst- u. Holzwirtschaft, Hamburg, 137 S. – Peylo, A. 2000: Bor im Holzschutz – Gibt es neue Erkenntnisse? Der praktische Schäd- lingsbekämpfer 52 (4) 28–31. – Peylo, A.; Willeitner H., 2001: Bewertung von Boraten als Holzschutzmittel. Holz Roh- Werkstoff. 59, im Druck. – Streit, B. (Hrsg.) 1991: Lexikon Ökotoxi- kologie. VCH-Verlag Weinheim, New-York, Basel. Bild 2: In Reagenzgläsern wurde ein Borpräparat zu Wasserglas-basierten Feuchteschutzmitteln gegeben. Innerhalb von Sekundenbruchteilen reagiert das Borpräparat mit dem Alkalisilikat zu einer galertigen Masse, die auf dem Foto weiß erscheint und zunehmend versprödet. gesetzt werden, wenn ein Zusatz eines Schwammsperrmittels zum Mörtel erforderlich werden sollte. Diese Maßnahme wird daher einzelnen Sonderfällen, z.B. im Denkmalschutz unter sachkundiger Planung und Kontrolle möglich und sinnvoll sein. Bei der in der Praxis weitaus häufiger vorkommenden Verbin- dung einer Schwammbekämpfung mit einer Mauerwerksabdichtung ist bei der Verwendung eines Borsal- zes unbedingt erst die Horizontal- sperre herzustellen, d.h. auch ihre Ausbildung in der Wand abzuwar- ten. Erst nach vollständiger Aus- bildung der Horizontalsperre kann das Schwammsperrmittel aufge- bracht werden. Hier muss von den Angaben des Beuth-Kommentares abgewichen werden, da sich offen- bar ein Fehler eingeschlichen hat. Dr. André Peylo ö.b.u.v. Sachverständiger für Holzschutz und Holzschäden Blumenstraße 22, 21481 Lauenburg Tel. (0 41 53) 22 82, Fax 58 22 26 E-Mail: apeylo@t-online.de Bild 3: Mischung von niedrig viskosen Harzen (oben) und einem Borpräparat (unten) im Reagenzglas. Nach einigen Wochen ist das Harz zu einer zähen Masse erstarrt, dies entspricht der auch für reine Harze zu erwar- tenden Ver- netzung unter Sauerstoffein- fluß. Bor hat keine Reaktion gezeigt.

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