Schützen & Erhalten - page 34

A
uch wenn das Wort „eintauchen“ in diesem
Jahr fast wörtlich zu nehmen ist – noch
nie hatte eine DHBV-Exkursion mit derart
schlechtem Wetter zu kämpfen −, wird die Reise
in positiver Erinnerung bleiben, denn der Kampf
gegen Nässe, Wind und Kälte war die eine Seite,
auf der anderen standen beeindruckende Städte
mit hervorragenden Führungen und Seminaren
über Baugeschichte, Sanierung und Stadtentwick-
lung. So auch bereits zu Beginn der Exkursion.
Denn während die Elbe beängstigend anstieg
und die Dresdner Altstadt bedrohte, stand eine
Besichtigung der Sanierungsarbeiten am Zwinger
und dem Stadtschloss auf dem Programm. Den
Höhepunkt des ersten Exkursionstages bildete
aber der Besuch der Frauenkirche, dessen bau-
fachliche Begleitung mit Aufstieg in die Kup-
pel von unserem DHBV-Mitglied Zimmerermei-
ster Joachim Krause perfekt organisiert wurde.
Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands,
sie war Zwischenstation auf der ersten Etappe
von Dresden nach Breslau, liegt an der Lausit-
zer Neiße und bildet seit 1945 die Grenze zu
Polen. Mit ihren ca. 4000 größtenteils restau-
rierten Baudenkmälern ist die Stadt das größte
zusammenhängende Flächendenkmal der Bun-
desrepublik. Der Grund für diese Besonderheit
ist der glückliche Zufall, dass Görlitz im Zweiten
Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont
geblieben ist und die DDR die Stadt in ihrer bau-
lichen Substanz unangetastet ließ. Zur Wieder-
vereinigung war Görlitz deshalb ein hochgradiger
Sanierungsfall. Heute wird das innerstädtische
Bild durch aufwendig sanierte spätgotische,
Renaissance- und Barock-Bürgerhäuser sowie
ausgedehnte Gründerzeitviertel im Umkreis der
Altstadt geprägt.
Breslau
Unzählige Male wechselte die niederschle-
sische Stadt Breslau in ihrer Geschichte den
Besitzer. Bei ihrer letzten Eroberung, am 6. Mai
1945, zwei Tage vor Kriegsende, verloren Tausen-
de Zivilisten und Soldaten ihr Leben. Die Stadt
wurde dabei bis zu 80% zerstört, darunter über
400 Baudenkmäler.
Ungeachtet dieser Zerstörung spiegeln sich
heute nach erfolgreichem Wiederaufbau erneut
die wechselnden Machtverhältnisse der Stadt-
geschichte im architektonischen Erscheinungs-
bild wider. Zeugnisse aus der Romanik, deren
Baustil vom 10. Jahrhundert bis zum Anfang
des 14. Jahrhunderts die Zeit der Piasten be-
stimmte, lassen sich ebenso auffinden, wie go-
tische Bürgerhäuser oder wie das spätgotische
Rathaus, welche in eine Zeit führen, als Breslau
zum Besitz der böhmischen Krone gehörte. Mit
Beginn der Renaissance, Anfang des 16. Jahr-
hunderts, fiel die Stadt an das Haus Habsburg.
Von dieser Zeit unter katholischer Herrschaft
zeugen zahlreiche Prachtbauten, zunächst im
Stil der Renaissance, später im prunkvollen Ba-
rock, wobei besonders die Aula Leopoldina der
Universität beeindruckt. Im ersten Schlesischen
Krieg eroberte Friedrich der Große im Jahr 1740
Breslau. Von nun an war die Stadt preußisch,
danach Teil des Deutschen Reiches, wo sie als
Folge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert
nach Berlin und Hamburg zur drittgrößten Stadt
des Reiches anwuchs.
Bei Kriegsausbruch 1939 hatte Breslau be-
reits 700.000 Einwohner, die ab 1945 als Folge
des Krieges vertrieben und ihrer Heimat beraubt
wurden. Breslau wurde nun die neue Heimat
vertriebener Polen, die aus den ostpolnischen
Territorien zuwanderten. Diese Gebiete musste
Polen als Kriegsbeute an Russland abtreten. Da-
mit ist Breslau weltweit die größte Stadt, de-
ren Bevölkerung komplett ausgetauscht wurde.
Mit der neuen Bevölkerung änderte sich auch
der Name. Heute ist Wroclaw mit 630.000 Ein-
wohnern die viertgrößte Stadt Polens und hat
damit seine alte Größe nahezu wieder erreicht.
Ab 1955 begann der Aufbau der zerstörten
Innenstadt. In diesem Zuge wurden alle Gebäu-
de, die weniger als 30% zerstört waren, in ihrem
1
2
3
5
6
7
10
11
12
1...,24,25,26,27,28,29,30,31,32,33 35,36,37,38,39,40,41,42,43,44,...48
Powered by FlippingBook