Schützen & Erhalten - page 3

MS Color Fantasy, Freitag der
1. Juni 2007 ca. 18.00 Uhr.
Eigentlich war alles gesagt, aus-
diskutiert und die erste Mitglieder-
versammlung in der 57-jährigen
Verbandsgeschichte auf Hoher See
stand kurz vor Ihrem Abschluss.
Und während am Horizont bereits
die beiden riesigen Pylone der Ost-
brücke zwischen Fünen und See-
land in den Himmel ragten, brachte
es Dr. Volker Paul vom Bundesin-
stitut für Berufsbildung noch ein-
mal deutlich auf den Punkt:
Den Ausbildungsberuf Holz-
und Bautenschützer würde es nicht
geben, wenn der Beruf nicht so in-
haltlich präzise vom DHBV vorbe-
reitet und in den Anhörungsgesprä-
chen und späteren Sachverständi-
genberatungen derart kompetent
und zielstrebig vertreten worden
wäre.
Ein großes Lob an den DHBV
und seine Vertreter auf das man
zu recht stolz sein kann. Aber die-
ses Lob zeigt auch die große Ver-
antwortung, die unser Verband seit
jeher für die Zukunft einer gan-
zen Branche trägt. Denn mit der
Veröffentlichung der „Verordnung
über die Berufsausbildung im Holz-
und Bautenschutzgewerbe“ am 7.
Mai diesen Jahres im Bundesge-
setzblatt ist nicht nur ein wichti-
ger Meilenstein in der bisherigen
Verbandsgeschichte erreicht wor-
den. Vielmehr hat eine ganze Bran-
che endlich den handwerksrecht-
lichen Status erhalten, der ihr, un-
geachtet der wirtschaftlichen
Notwendigkeiten, seit Jahrzehnten
verweigert wurde. Setzt man sich
mit der Geschichte unseres Verban-
des auseinander, so wird einem
dann auch sehr schnell deutlich,
dass dieser Erfolg jener lang er-
sehnte Zieleinlauf ist, an den nur
noch die wenigsten von uns ge-
glaubt haben.
Erinnern wir uns:
1950 gründeten 20 Praktiker
den „Deutschen Holzschutzverband
e.V.“ Ihr Ziel war die fachliche Aus-
und Weiterbildung, Erfahrungsaus-
tausch im Kollegenkreis, eine ein-
wandfreie Arbeitsausführung, so-
lides Geschäftsgebaren und die
Reinhaltung der eigenen Reihen.
Ein unverzichtbarer Partner war
schon damals die Industrie, da nur
sie das Wissen um die korrekte An-
wendung ihrer Produkte hatte. Und
die Industrie brauchte ihrerseits
dringend seriöse und innovative
Handwerker, die Techniken weiter-
entwickelten und vor allem brauch-
bare Aussagen bezüglich der Wirk-
samkeit neuer Holz- und Bauten-
schutzmittel machen konnten. Und
diese Informationen waren nur von
geschulten und handwerklich kor-
rekt arbeitenden Unternehmen zu
erhalten. Die Ausbildung jedenfalls
lag zu diesem Zeitpunkt einzig und
allein in den Händen des Verban-
des.
Ein weiteres absolut wichtiges
Verbandsziel, das für mich nach wie
vor hohe Priorität besitzt, ist das
Streben nach „Reinhaltung der ei-
genen Reihen“.
Vielleicht erkennen Sie ja im
Folgenden die eine oder andere
Parallele zu Ihrem beruflichen All-
tag.
Nach dem 2. Weltkrieg
herrschte auf Anordnung der
westlichen Besatzungsmächte
eine fast schrankenlose
Gewerbefreiheit in den
Westzonen. Handwerk-
liche Tätigkeiten, die
nicht der öffentlichen
Sicherheit, Gesund-
heit und Wohlfahrt
dienten, durften
somit von
jedermann ausgeführt
werden. Das Handwerk litt un-
ter unseriösen Geschäftemachern,
schlechter Ausbildung und Inkom-
petenz. Um dem entgegenzuwir-
ken, organisierte sich das Hand-
werk in Verbänden und kämpfte ge-
gen diese Gewerbefreiheit.
Der Erfolg ließ nicht lange auf
sich warten. Am 17.9.1953 wurde
die Handwerksordnung als einheit-
liche gesetzliche Grundlage für die
BRD und West-Berlin verabschie-
det. Ab jetzt durfte nur der Meis-
terbetrieb ausbilden. Da der Holz-
und Bautenschutz jedoch nicht zu
den traditionellen Meisterbetrieben
zählte, bedeutete dies: Weder Aus-
bildung noch Betriebsgründung un-
terlagen qualitativen Grundanfor-
derungen. Im Umkehrschluss heißt
dies: Die Aus- und Weiterbildung
sowie die Unterstützung der Fach-
betriebe im Holz- und Bautenschutz
blieb weiterhin einzig und allein
in der Hand des Fachverbandes.
Der „Deutsche Holzschutzver-
band“, ab 1960 umbenannt in
„Deutscher Holz- und Bauten-
schutzverband“, versuchte in der
Folgezeit durch Qualifizierung sei-
ner Mitglieder gegen den mittler-
weile schlechten Ruf der Branche
anzukämpfen und die Anerkennung
als Vollhandwerk mit einer eige-
nen Ausbildungsverordnung zu er-
reichen. Ein erster Erfolg war 1978
die Abstimmung des „Tätigkeits-
verzeichnisses des Holz- und Bau-
tenschutzgewerbes“, das in dieser
Form noch heute seine Gültigkeit
hat. Die Abstimmung erfolgte zwi-
schen dem Deutschen Handwerks-
kammertag, dem Hauptverband des
Maler- und Lackiererhand-
werks, dem Zentralverband des
Deutschen Baugewer-
bes, dem Zentral-
verband des
Deutschen
Dachdeckerhand-
werks, dem Bundes-
innungsverbands
des Steinmetz-,
Steinhauer- und Holzbildhauer-
handwerks, dem Bundesinnungs-
verband des Gebäudereinigerhand-
werks und dem Deutschen Holz-
und Bautenschutzverband als ein-
zigem Vertreter unserer Branche.
Und so ist es bis heute ge-
blieben. Der DHBV hat als allei-
niger Vertreter der Branche die
Ausbildungsverordnung durchge-
setzt. Er sitzt seit Jahrzehnten in
allen wichtigen Gremien, die sich
mit Holzschutz und Bautenschutz
beschäftigen und nur den wenig-
sten Kollegen ist klar, dass sie eine
Vielzahl von Tätigkeiten, die ihre
Geschäftsgrundlage bilden, gar
nicht ausführen dürften, wenn der
DHBV nicht vehement ihre Inter-
essen vertreten würde. Ich den-
ke hier an den „Bekämpfenden
Holzschutz“, die Abdichtung mit
KMBs oder Bereiche der Beton-
instandsetzung.
Erfolg ist eine Teamsache
EDITORIAL
Foto: Axel Werner
Ein Zufall?
Nachdem ich die Mitgliederver-
sammlung des 57. Verbandstages
geschlossen habe, passierte das
Schiff gerade die gewaltige Ostbrük-
ke im Großen Belt. Ein imposanter
Anblick und gleichzeitig ein Sinn-
bild wie es besser und vom „Timing“
abgestimmter nicht sein konnte.
Der weite Brückenschlag von
der Insel der „selbsternannten Holz-
und Bautenschützer“ zum Festland
der „Ausbildungsberufe“ war nur
möglich mit Mitgliedern, für die
es selbstverständlich ist, aktiv die
Interessen Ihrer eigenen Berufs-
gruppe zu unterstützen. Ich mei-
ne hier Unternehmer, die sich für
die Erhaltung und das Ansehen
Ihrer beruflichen Existenz einset-
zen und dies nicht in Trittbrett-
fahrermentalität anderen überlas-
sen. Sie alle haben dazu beigetra-
gen, dass dieser weite
Brückenschlag hin
zum anerkannten Ausbildungsbe-
ruf möglich war.
Ihnen, die Sie seit Jahren die-
sen Weg mitgegangen sind und Ih-
rem Verband die Treue halten, danke
ich aufs Herzlichste. Diejenigen, die
am anderen Ufer zurückbleiben, da
für sie der Holz- und Bautenschutz
lediglich ein Schlupfloch für
Schwarzarbeit bedeutet und deshalb
für sie das Erreichte auch gänzlich
ohne Interesse ist, mögen getrost
dort bleiben, denn sie haben von
je her nicht zu uns gehört.
Aber es gibt auch jene, die bis
jetzt abgewartet haben, unschlüssig
sich zu entscheiden sich offen mit
den Zielen ihrer Berufsgruppe zu
identifizieren, in der Erwartung,
dass es die anderen schon richten
werden. Worauf warten Sie? Was
wir jetzt brauchen sind viele se-
riöse und qualifizierte Fachbetriebe
mit der Bereitschaft Ausbildungs-
plätze zu schaffen, denn Erfolg ist
letztlich eine Teamsache!
Herzlichst Ihr
Horst Eickhoff
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